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Niveau des mots :

« Sie liebten sich, wie man betet, kniend vor ihrer eigenen Liebe, und glaubten, es würde ewig dauern. »
— Albert Cohen, Die Schöne des Herrn


📖 Zusammenfassung

Die triumphierende Leidenschaft

🌹 Eine Liebe, gelebt wie eine Religion — auf dem Höhepunkt.

Nun, da Solal Ariane verführt hat, flammt ihre Liebe auf wie eine Sonne 🌅. Die beiden Liebenden leben ihre Leidenschaft wie eine wahre Religion. Nichts anderes gibt es mehr: nicht die Welt, nicht die anderen, nicht die Zeit. Sie haben einander gefunden und glauben, den Sinn des Lebens selbst entdeckt zu haben 💫.

Ihre Sprache verändert sich. Sie sprechen miteinander in erhabenen Worten, tauschen ewige Schwüre und schwören sich, dass eine solche Liebe nie auf Erden bestanden habe. Jeder Blick, jede Geste wird heilig. Sie leben in einer beständigen Verzückung 🕯️, wie zwei Anbeter vor einem Götzen. Und dieser Götze ist ihre Liebe selbst.

Um diese Leidenschaft ganz zu leben, entsagt Ariane ihrem früheren Leben. Sie verlässt Adriens Welt, dieses mittelmäßige Dasein, das sie jahrelang ertragen hatte. Sie gibt ihren Mann, ihren Wohlstand, ihren Ruf auf. Nichts darf ihr Glück stören; ihre Liebe muss rein und ganz bleiben. Dafür beschließen sie, sich vom Rest der Welt abzuschneiden.

Hier lässt Cohen, auf dem Gipfel des Glücks, eine erste Vorahnung einfließen. Denn diese Leidenschaft verlangt, um so hoch und rein zu bleiben, ein Leben außerhalb der Welt. Doch was sich von der Welt abschneidet, beginnt langsam zu sterben. Eine Liebe, die sich nur von sich selbst nährt, ohne Freunde, ohne Pläne, ohne geteilten Alltag, läuft bald ins Leere 🍂.

Vorerst sehen die Liebenden das nicht. Sie sind zu glücklich, zu sehr geblendet. Sie glauben, ihre Leidenschaft sei stark genug, um auf alles zu verzichten. Sie wünschen, dass dieser Augenblick ewig dauere, dass die Zeit stehen bleibe. Sie verwechseln die Stärke des Augenblicks mit der Dauer einer wahren Liebe.

Aber Cohen, ein hellsichtiger Schriftsteller, lässt den entscheidenden Gedanken des Romans anklingen: Die Leidenschaft ist nicht die Liebe. Die Leidenschaft ist jenes blendende Feuer, das brennt, indem es sich vom Wirklichen abschneidet; die wahre Liebe aber wäre die bescheidene, treue Zärtlichkeit zweier Menschen, die gemeinsam durch das gewöhnliche Leben gehen. Solal ahnt es in seinen hellen Augenblicken bereits. Er weiß, dass eine Liebe, die Welt und Zeit verweigert, nicht zu dieser dauerhaften Zärtlichkeit werden kann.

Vorerst triumphiert die Leidenschaft noch ✨. Ariane hat alles für Solal aufgegeben; Solal herrscht über Arianes Herz. Sie sind zwei Götter in ihrem Himmel. Doch dieser Himmel ist geschlossen, ohne Luft und ohne Weite. Indem sie die Welt verließen, um ihre Liebe zu schützen, haben sie sie vielleicht zum Tode verurteilt. Der gerührte Leser begreift, dass das schönste Kapitel ihrer Geschichte auch das letzte wahrhaft glückliche sein könnte.


🔤 Wortschatz

WortBedeutung
aufflammenplötzlich hell zu brennen beginnen
erhabenvon höchster, fast heiliger Größe
der Schwurein feierliches, heiliges Versprechen
die Verzückungein Glück, so stark, dass man aus sich heraustritt
der Anbeterwer einen Gott (oder ein Idol) verehrt
der Götzeein falscher Gott, ein Idol
entsagenfreiwillig auf etwas verzichten
ertragenetwas geduldig aushalten
sich abschneidensich völlig von etwas trennen
die Vorahnungdas vage Gefühl, dass etwas geschehen wird
sich nähren (von)sich von etwas ernähren
die Zärtlichkeiteine sanfte, aufmerksame Liebe
treubeständig, dem anderen verbunden
dauerhaftlange bestehend, der Zeit widerstehend

💬 Ausdrücke & Redewendungen

AusdruckBedeutung
„sich lieben, wie man betet"die Liebe wie eine Religion leben
„sich von der Welt abschneiden"sich aus der Gesellschaft zurückziehen
„ins Leere laufen"seinen Sinn verlieren
„auf alles verzichten"ganz ohne alles auskommen
„Leidenschaft ist nicht Liebe"der zentrale Gedanke des Romans

🧠 Grammatik — Nebensätze mit „dass" (Wortstellung)

Nach Verben des Wünschens, Wollens oder Meinens folgt oft ein Nebensatz mit „dass". Im „dass"-Satz steht das konjugierte Verb am Ende.

Hauptsatz„dass"-Satz (Verb am Ende)
Sie wünschen,dass dieser Augenblick ewig dauert.
Sie wollen,dass nichts ihr Glück stört.
Solal weiß,dass die Leidenschaft nicht die Liebe ist.
Ariane glaubt,dass sie das Absolute gefunden hat.

Beispiele aus der Zusammenfassung:
- Sie wünschen, dass dieser Augenblick ewig dauere.
- Solal weiß, dass eine Liebe ohne Welt nicht bestehen kann.

💡 Tipp: Im „dass"-Satz wandert das Verb ganz nach hinten: „Sie glauben, dass ihre Liebe ewig dauert." Bei zwei Verben steht das konjugierte Verb zuletzt: „…, dass sie den Sinn entdeckt haben."


📝 Glossar

  • der Schwur: ein feierliches und heiliges Versprechen
  • die Verzückung: ein so starkes Glück, dass man aus sich heraustritt
  • die Vorahnung: das vage Gefühl, dass ein Ereignis bevorsteht
  • die Zärtlichkeit: eine sanfte, treue und liebevolle Zuneigung
  • dauerhaft: was lange dauert und der Zeit standhält

🔊 Audio

▶️ Kapitel 5 anhören — B1

Tipp: Suche im Text die „dass"-Sätze nach „wünschen", „wollen", „wissen". Achte darauf, wie das Verb jedes Mal ans Satzende wandert.


✍️ Übungen

1. Richtig oder falsch?

  1. Die Liebenden leben ihre Leidenschaft wie eine Religion.
  2. Ariane behält ihr früheres Leben mit Adrien.
  3. Ihre Liebe schneidet sich freiwillig von der Welt ab.
  4. Cohen sagt, Leidenschaft und Liebe seien genau dasselbe.

2. Bilde einen „dass"-Satz (Verb ans Ende)

  1. Sie wünschen: Der Augenblick dauert ewig. → Sie wünschen, dass .
  2. Sie wollen: Nichts stört ihr Glück. → Sie wollen, dass .
  3. Solal weiß: Die Liebe braucht die Welt. → Solal weiß, dass .
  4. Ariane glaubt: Sie hat das Absolute gefunden. → Ariane glaubt, dass .

3. Steht das Verb richtig? Wähle die korrekte Form.

  1. Sie glauben, dass ihre Liebe (bleibt rein / rein bleibt).
  2. Solal weiß, dass die Leidenschaft (ist nicht Liebe / nicht Liebe ist).
  3. Sie hoffen, dass die Zeit (stehen bleibt / bleibt stehen).
  4. Ariane sagt, dass sie alles (aufgegeben hat / hat aufgegeben).

4. Schreibübung

  1. Sag in 4–5 Sätzen, was es deiner Meinung nach braucht, damit eine Liebe wirklich dauert (Zeit, Zärtlichkeit, Freunde, Alltag?). Verwende mindestens drei „dass"-Sätze (Ich glaube, dass…; Ich wünschte, dass…).