Définitions :
Niveau des mots :

« Er erschien, und sie, die ihn als Greis verjagt hatte, gab sich ganz dem Seigneur hin, der er wieder geworden war. »
— Albert Cohen, Die Schöne des Herrn


📖 Zusammenfassung

Die große Verführung

🥂 Schön und mächtig, erobert er sie mühelos.

Nun ist der Augenblick gekommen, in dem Solal versucht, was er angekündigt hatte. Diesmal verbirgt er sich nicht mehr hinter der Maske eines Greises. Er erscheint vor Ariane in vollem Glanz seiner Schönheit und Macht 🥂: jung, herrlich, von Ansehen umgeben. Die Szene spielt mitten in der glänzenden Welt Genfs, im Licht eines Balls 🎭.

Ariane, die den Greis voller Entsetzen verjagt hatte, entdeckt plötzlich den wahren Solal. Und alles in ihr bricht zusammen 🌊. Diese stolze, zurückhaltende Frau, die sich für ihre eigene Herrin hielt, verliebt sich hemmungslos, fast ohne Widerstand. Vor so viel Schönheit und Kraft schmilzt ihr Wille wie Schnee in der Sonne. Sie, die vom Absoluten träumte, glaubt es endlich gefunden zu haben.

Solal entfaltet nun seine ganze Kunst. Er spricht zu ihr, wie kein Mann je zu ihr gesprochen hat: mit erhabenen Worten, mit einer Leidenschaft, die aus einer anderen Welt zu kommen scheint. Er blendet sie. Ariane hat das Gefühl, neu geboren zu werden, ihr graues Leben zu verlassen und in ein endlich ihrer würdiges Dasein einzutreten. Die Eroberung ist vollständig.

Und doch kennt Solal auf dem Gipfel seines Sieges nicht die Freude, die man erwarten würde. Ein seltsamer Ekel mischt sich in seine Verzückung 💔. Denn diese Eroberung bestätigt seine Theorie. Ariane hatte ihn abgewiesen, als er alt und hässlich war; sie gibt sich ihm hin, nun da er schön und mächtig ist. Der Beweis ist erbracht: Nicht seine Seele liebt sie, sondern den Seigneur, das Ansehen, „die weißen Zähne". Er hat gewonnen, also hat er verloren — für immer die Gewissheit, um seiner selbst willen geliebt zu werden.

Hätte Ariane ihn als Greis geliebt, so könnte Solal an eine wahre Liebe glauben. Aber sie tat es nicht. Deshalb wiederholt ihm selbst im Rausch der Verführung eine kalte Stimme, dass all dies nur ein Räderwerk ist. Er wünschte, sie liebte ihn anders, sie sähe über sein Aussehen hinaus; aber er weiß, dass das unmöglich ist.

So entsteht eine absolute Leidenschaft — und vom ersten Tag an vergiftet ✨. Ariane stürzt sich mit ganzem Herzen hinein, aufrichtig und erschüttert. Auch Solal stürzt sich hinein, doch er trägt in sich, wie eine Wunde, die Hellsichtigkeit, die alles verdirbt. Sie lieben sich, ja; aber der eine liebt mit der Unschuld des ersten Males, der andere mit dem Zweifel dessen, der zu viel begriffen hat.

Diese große Verführung öffnet das brennende Herz des Romans. Die beiden Liebenden werden ihre Leidenschaft von nun an als ein Absolutes leben. Doch der gewarnte Leser ahnt, dass diese so hohe Flamme, wie jede Flamme, schon das Versprechen ihres eigenen Endes in sich trägt.


🔤 Wortschatz

WortBedeutung
der Glanzhelles, strahlendes Licht; hier: strahlende Schönheit
verjagenvertreiben, wegjagen
zusammenbrechenplötzlich in sich zusammenfallen
hemmungslosohne jede Zurückhaltung
schmelzenflüssig werden, verschwinden
erhabenvon höchster, fast heiliger Schönheit
blendendurch Glanz überwältigen
die Eroberungdas Gewinnen von Liebe oder Bewunderung
der Ekelein tiefes Gefühl der Abstoßung
der Rauschein schwindelnder Zustand höchster Erregung
die Wundeeine Verletzung, die schmerzt
verderbenzerstören, ruinieren
erschütterttief bewegt und aufgewühlt
ahnenetwas im Voraus fühlen

💬 Ausdrücke & Redewendungen

AusdruckBedeutung
„sich hemmungslos verlieben"sich völlig, ohne Widerstand verlieben
„wie Schnee in der Sonne schmelzen"schnell verschwinden, vergehen
„gewinnen, also verlieren"durch den Sieg das Wichtigste verlieren
„auf dem Gipfel des Sieges"im Augenblick des größten Triumphs
„um seiner selbst willen geliebt werden"für den Charakter, nicht das Aussehen

🧠 Grammatik — Konjunktiv II der Vergangenheit (irreale Bedingung)

Für eine Bedingung in der Vergangenheit, die nicht Wirklichkeit wurde, nutzt man den Konjunktiv II der Vergangenheit: „hätte" / „wäre" + Partizip II.

InfinitivKonjunktiv II der Vergangenheit
liebensie hätte geliebt
seiner wäre gewesen
könnener hätte … können
tunsie hätte getan

Beispiele aus der Zusammenfassung:
- Hätte Ariane ihn als Greis geliebt, so könnte Solal an wahre Liebe glauben.
- Aber sie hätte es tun müssen — und tat es nicht.

💡 Tipp: „Hätte …, wäre/könnte …" beschreibt ein Was-wäre-gewesen. Man kann das „wenn" weglassen: „Hätte sie ihn geliebt, …" statt „Wenn sie ihn geliebt hätte, …".


📝 Glossar

  • der Glanz: das strahlende Licht; hier die strahlende Schönheit Solals
  • hemmungslos: auf maßlose Weise, ohne Kontrolle
  • die Eroberung: das Gewinnen der Liebe oder Bewunderung eines Menschen
  • der Ekel: ein tiefes Gefühl der Ablehnung, der Wunsch, sich zu entfernen
  • das Räderwerk: hier ein automatischer Vorgang, ohne Freiheit und Zärtlichkeit

🔊 Audio

▶️ Kapitel 4 anhören — B1

Tipp: Suche den Satz „Hätte Ariane ihn als Greis geliebt, so könnte Solal …". Beobachte, wie der Konjunktiv II eine mögliche Welt beschreibt, die nie Wirklichkeit wird.


✍️ Übungen

1. Richtig oder falsch?

  1. Solal verführt Ariane, indem er als Greis verkleidet bleibt.
  2. Ariane verliebt sich fast ohne Widerstand.
  3. Die Eroberung macht Solal vollkommen glücklich.
  4. Dieser Sieg bestätigt Solals bittere Theorie.

2. Setze in den Konjunktiv II (Gegenwart)

  1. Wenn sie ihn als Greis geliebt hätte, (können) er an ihre Liebe glauben.
  2. Solal (wünschen), dass sie ihn anders liebt.
  3. Ariane (geben) alles für diese große Liebe.
  4. Ohne seine Hellsichtigkeit (sein) er glücklich.

3. Konjunktiv II der Gegenwart oder der Vergangenheit?

  1. Heute, wenn er klüger wäre, (schwiege / hätte geschwiegen) er.
  2. Damals, wenn er klüger gewesen wäre, (schwiege / hätte geschwiegen) er.
  3. Mit mehr Demut (wäre / wäre gewesen) heute alles anders.
  4. Mit mehr Demut (wäre / wäre gewesen) gestern alles anders.

4. Schreibübung

  1. Stell dir in 4–5 Sätzen vor: „Würde ich nur für mein Aussehen geliebt, dann …". Verwende mindestens drei Konjunktiv-II-Formen (ich wäre…, ich wünschte…, ich könnte…).