Définitions :
Niveau des mots :

« Nicht meine Seele würdest du lieben, sondern meine weißen Zähne und meine Kraft als Seigneur. »
— Albert Cohen, Die Schöne des Herrn


📖 Zusammenfassung

Die Szene mit dem Greis

🎭 Für sich selbst geliebt, alt und hässlich? Sie jagt ihn davon.

Wir befinden uns in Genf 🌙, am Ende der 1930er Jahre. Solal des Solal ist ein herrlicher Mann: jung, schön, mächtig, Untergeneralsekretär beim Völkerbund. Alle Frauen blicken ihm nach, und er weiß es. Doch hinter diesem Glanz verbirgt sich ein Mann, der zutiefst hellsichtig und zugleich verbittert ist. Er hat etwas Schreckliches über die Liebe begriffen, und er möchte den Beweis dafür.

Eines Abends dringt er heimlich in das Haus von Ariane d'Auble ein, einer jungen protestantischen Adligen, die ihm aufgefallen ist. Aber er tritt nicht als Seigneur auf. Er verkleidet sich als Greis: der Rücken gebeugt, das Gesicht runzlig, die Hände zitternd 🎭. Er will sehen, wie sie auf einen alten, hässlichen Mann reagiert, dessen Seele jedoch dieselbe geblieben ist.

Voller Leidenschaft spricht er zu ihr. Er sagt, dass er sie liebe, dass sein Herz jung sei, dass nicht der Körper zähle, sondern der Geist. Er wünschte, sie könnte einen Mann für das lieben, was er wirklich ist, und nicht für das, was er scheint. Doch Ariane weicht entsetzt zurück 💔, als dieser Greis es wagt, ihr von Liebe zu sprechen. Sie findet ihn grotesk, fast ungeheuerlich, und weist ihn ohne Mitleid ab.

Genau das hatte Solal erwartet. Als er sie zurückweichen sieht, begreift er, dass er recht hatte. Wenn ein Mann geliebt werden will, muss er schön, stark und jung sein; er muss Ansehen und Macht besitzen. Niemand, so denkt er, liebe wirklich eine Seele. Man liebt „die weißen Zähne des Seigneurs" — also die Jugend, die Kraft und die Schönheit des Mannes.

Aus dieser Szene entsteht Solals bittere Theorie 🗝️. Für ihn ist die Leidenschaft nur ein Räderwerk: Sie springt von selbst an vor einem schönen Gesicht, wie eine Maschine. Es ist keine freie Wahl, keine Zärtlichkeit; es ist ein fast tierischer Trieb. Solal verachtet dieses Schauspiel, und doch ist er sein König, denn gerade er besitzt alles, was die Frauen begehren.

Als er Arianes Haus verlässt, ist Solal zugleich triumphierend und verzweifelt ✨. Er hat seine Wette gewonnen: Er hat seine Theorie bewiesen. Aber er hat auch verstanden, dass er, falls er diese Frau eines Tages als schöner Seigneur verführte, nie wüsste, ob sie ihn liebt oder nur seine Maske. Dieser Zweifel wird ihn bis zum Ende heimsuchen. Denn Solal will nicht nur begehrt werden: Er träumt, trotz allem, davon, für seine Seele geliebt zu werden — die einzige Liebe, die diesen Namen, glaubt er insgeheim, wirklich verdient.


🔤 Wortschatz

WortBedeutung
hellsichtigklarsehend, ohne Illusionen
verbittertenttäuscht und voller Groll
sich verkleidensich anders anziehen, um jemand anderes zu scheinen
der Greisein sehr alter Mann
runzligvoller Falten
abweisenzurückweisen, nicht annehmen
das Mitleiddas Mitgefühl für das Leid anderer
das Ansehender gute Ruf, das Prestige
verachtenjemanden für wertlos halten
das Räderwerkein Mechanismus, der von selbst läuft
der Triebein natürlicher, unbewusster Drang
die Wetteeine Herausforderung, um etwas zu beweisen
heimsuchenjemanden immer wieder quälen
der Beweisdas, was etwas sicher zeigt

💬 Ausdrücke & Redewendungen

AusdruckBedeutung
„die weißen Zähne des Seigneurs"Sinnbild für männliche Schönheit und Macht
„den Beweis für etwas haben"etwas mit Sicherheit wissen
„entsetzt zurückweichen"voller Abscheu zurücktreten
„eine Wette gewinnen"sich in einer Herausforderung durchsetzen
„für sich selbst geliebt werden"für den Charakter, nicht das Aussehen geliebt werden

🧠 Grammatik — Konjunktiv II: der irreale Wunsch

Der Konjunktiv II drückt aus, was man sich wünscht oder was nicht wirklich ist. Bei sein, haben und den Modalverben nutzt man die kurze Form; bei vielen anderen Verben „würde + Infinitiv".

InfinitivIndikativ (er)Konjunktiv II (er)
seiner ister wäre
habener hater hätte
könnener kanner könnte
wissener weißer wüsste

Beispiele aus der Zusammenfassung:
- Er wünschte, sie könnte einen Mann für seine Seele lieben. (Wunsch)
- Er wüsste nie, ob sie ihn wirklich liebt. (Unwirklichkeit)
- Für sich selbst geliebt zu werden — das wäre die einzige wahre Liebe.

💡 Tipp: Konjunktiv II ist der Modus des Wunsches und des Nicht-Wirklichen. Merke dir die kurzen Formen wäre, hätte, könnte, wüsste — sie kehren ständig wieder.


📝 Glossar

  • der Greis: ein sehr alter Mann
  • hellsichtig: wer die Wirklichkeit klar sieht, ohne sich zu täuschen
  • verachten: jemanden nicht respektieren, für wertlos halten
  • das Räderwerk: hier ein automatischer Vorgang, der sich von selbst wiederholt
  • die Wette: eine Herausforderung, die man eingeht, um etwas zu beweisen

🔊 Audio

▶️ Kapitel 1 anhören — B1

Tipp: Achte in der Zusammenfassung auf jede Konjunktiv-II-Form (wäre, könnte, wüsste). Frag dich jedes Mal, ob ein Wunsch oder eine Unwirklichkeit ausgedrückt wird.


✍️ Übungen

1. Richtig oder falsch?

  1. Solal tritt bei Ariane in seiner wahren Gestalt auf.
  2. Ariane weist den Greis entsetzt ab.
  3. Für Solal ist die Leidenschaft eine freie, zärtliche Wahl.
  4. Solal besitzt die Schönheit und Macht, die die Frauen begehren.

2. Setze das Verb in den Konjunktiv II

  1. Er wünschte, sie (können) seine Seele lieben.
  2. Ohne seine Schönheit (sein) er nicht geliebt.
  3. Er (wissen) nie, ob sie ihn wirklich liebt.
  4. Solal (haben) gern einen echten Beweis.

3. Indikativ oder Konjunktiv II?

  1. Solal weiß, dass er schön (ist / wäre). (Tatsache)
  2. Er wünschte, er (ist / wäre) für seine Seele geliebt.
  3. Es ist sicher, dass Ariane ihn (abweist / abwiese).
  4. Wenn sie ihn liebte, (ist / wäre) er glücklich.

4. Schreibübung

  1. Schreibe in 4–5 Sätzen, was deiner Meinung nach macht, dass man jemanden liebt: Schönheit, Charakter, Intelligenz? Verwende mindestens drei Konjunktiv-II-Formen (ich wünschte…, es wäre…, ich könnte…).