« Man verfasste dort Berichte, die niemand lesen würde, für den Frieden einer Welt, die sich bereits auf den Krieg vorbereitete. »
— Albert Cohen, Die Schöne des Herrn
📖 Zusammenfassung
📜 Der Völkerbund: Eitelkeiten, Berichte, Intrigen.
Verlassen wir für einen Augenblick die Liebe und treten wir in die Gänge des Völkerbunds 🎭. Diese große Genfer Einrichtung sollte den Frieden der Welt sichern. Im Roman wird sie zum Schauplatz eines grausam-komischen Schauspiels. Cohen erweist sich hier als genialer Spötter.
Hier arbeitet man nicht wirklich: Man tut nur so. Die Beamten verfassen endlose Berichte, die niemand je lesen wird. Sie halten Sitzungen ab, um andere Sitzungen vorzubereiten. Jeder wacht über seinen Rang, lauert auf eine Beförderung und beneidet den Nachbarn. Überall herrscht die Eitelkeit: Man will ein schöneres Büro, einen längeren Titel, einen Platz näher bei den Mächtigen. Hinter den großen Wörtern — Frieden, Gerechtigkeit, Nationen — verbergen sich winzige Ränke.
An der Spitze dieser Maschine thront Solal, der Untergeneralsekretär. Er verkörpert diese Macht und verachtet sie doch zutiefst. Er durchschaut das Spiel, das er selbst spielt. Diese Hellsichtigkeit macht ihn zugleich glänzend und unglücklich 💫: Er weiß, dass alles leer ist, aber er zieht daraus auch eine ungeheure Macht über die anderen.
Hier tritt Adrien Deume auf. Ein kleiner, ehrgeiziger Beamter, träumt er nur vom Aufstieg. Nun aber hält Solal seine Laufbahn in der Hand. Und Solal hat etwas begriffen: Adrien ist Arianes Ehemann. Also beschließt er kaltblütig, die Macht der Einrichtung in den Dienst seiner Leidenschaft zu stellen 🗝️.
Er beginnt, Adrien zu begünstigen: eine plötzliche Beförderung, Glückwünsche, dann ein Auftrag in der Ferne. Adrien, außer sich vor Freude, versteht den wahren Grund dieser Gunst nicht. Er glaubt, man belohne endlich sein Talent. In Wahrheit will Solal, dass Adrien fortgeht, damit er weit von Genf ist und damit der Platz an Arianes Seite frei wird.
Dieses Vorgehen ist berechnend, und Solal weiß es. Er benutzt eine dem Frieden geweihte Einrichtung als bloßes Werkzeug, um sich einer verheirateten Frau zu nähern. Cohen vereint hier seine zwei großen Themen: den Spott über die Welt und das Räderwerk der Leidenschaft. Politische Macht und Liebesbegehren gehorchen demselben Gesetz — dem der List und der Gewalt.
Der Leser lächelt über diese Komödie der Macht, doch ein Unbehagen wächst 🍂. Denn hinter den Büro-Intrigen bereitet sich eine gefährliche Leidenschaft vor. Solal hat seine Figuren auf dem Schachbrett aufgestellt ♟️. Der Ehemann wird sich entfernen; die Frau wird allein bleiben. Alles ist bereit für die große Verführung. Und man ahnt schon, dass dieser Sieg, wenn Solal ihn erringt, ihm vielleicht nicht das erhoffte Glück bringt, sondern den bitteren Beweis seiner eigenen Theorie.
🔤 Wortschatz
| Wort | Bedeutung |
|---|---|
| der Gang | ein langer Flur in einem Gebäude |
| das Schauspiel | hier: ein hohles, lächerliches Spiel |
| verfassen | einen Text, einen Bericht schreiben |
| der Rang | die offizielle Stufe, der Dienstgrad |
| lauern | heimlich auf etwas warten |
| die Eitelkeit | der Stolz dessen, der wichtig scheinen will |
| die Ränke (Pl.) | geheime Pläne, Intrigen |
| verachten | für wertlos halten, geringschätzen |
| die Hellsichtigkeit | die Fähigkeit, klar zu sehen |
| der Aufstieg | das Vorankommen im Rang |
| begünstigen | jemandem einen unfairen Vorteil geben |
| der Auftrag | eine Aufgabe, eine Mission |
| die List | eine schlaue, listige Art, etwas zu erreichen |
| das Werkzeug | ein Mittel, um ein Ziel zu erreichen |
💬 Ausdrücke & Redewendungen
| Ausdruck | Bedeutung |
|---|---|
| „so tun, als ob" | etwas vortäuschen |
| „jemandes Laufbahn in der Hand halten" | über jemandes Zukunft bestimmen |
| „ein Spiel durchschauen" | die verborgene Wahrheit erkennen |
| „die Figuren aufstellen" | seine Züge vorbereiten |
| „die Komödie der Macht" | das Theater der Eitelkeit und des Ehrgeizes |
🧠 Grammatik — Finalsätze: „damit" und „um … zu"
Um einen Zweck (ein Ziel) auszudrücken, nutzt man „damit" (zwei verschiedene Subjekte) oder „um … zu" + Infinitiv (nur ein Subjekt).
| Absicht | Struktur |
|---|---|
| zwei Subjekte | Solal handelt, damit Adrien fortgeht. |
| ein Subjekt | Solal handelt, um sich Ariane zu nähern. |
Beispiele aus der Zusammenfassung:
- Solal will, dass Adrien fortgeht, damit der Platz frei wird. (Zweck, anderes Subjekt)
- Er begünstigt Adrien, um ihn von Genf zu entfernen. (Zweck, gleiches Subjekt)
💡 Tipp: Merke: „damit", wenn Haupt- und Nebensatz verschiedene Subjekte haben; „um … zu", wenn beide dasselbe Subjekt teilen. Bei „damit" steht das Verb am Satzende.
📝 Glossar
- verfassen: einen offiziellen Text oder Bericht schreiben
- die Eitelkeit: der Stolz eines Menschen, der wichtig erscheinen will
- die Intrige: ein geheimer Plan, um etwas zu erreichen
- berechnend: ohne Skrupel, kühl auf den eigenen Vorteil bedacht
- die List: eine geschickte, schlaue Art, sein Ziel zu erreichen
🔊 Audio
Tipp: Suche im Text die Finalsätze mit „damit" und „um … zu". Notiere jedes Mal das Ziel, das Solal heimlich verfolgt.
✍️ Übungen
1. Richtig oder falsch?
- Beim Völkerbund arbeiten die Beamten sehr wirksam und aufrichtig. sie tun nur so
- Solal verachtet die Macht, die er verkörpert.
- Adrien versteht den wahren Grund seiner Beförderung. er glaubt an sein Talent
- Solal entfernt Adrien, um sich Ariane zu nähern.
2. „damit" oder „um … zu"?
- Solal begünstigt Adrien, ihn zu entfernen.
- Solal begünstigt Adrien, er sich entfernt.
- Adrien arbeitet, eine Beförderung zu bekommen.
- Adrien arbeitet, seine Eltern stolz sind.
3. Setze das Verb richtig (Finalsatz)
- Solal handelt, damit Adrien in die Ferne (gehen).
- Er tut alles, damit der Platz frei (werden).
- Er nutzt die Einrichtung, um sich Ariane zu (nähern).
- Adrien reist, um seinen Vorgesetzten zu (gefallen).
4. Schreibübung
- Beschreibe in 4–5 Sätzen einen Arbeitsplatz, an dem der Schein mehr zählt als die echte Arbeit. Verwende mindestens zweimal „damit" und einmal „um … zu".