« Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. »
— Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz
📖 Zusammenfassung
🦊 „Man sieht nur mit dem Herzen gut." Der Fuchs lehrt das Zähmen.
Im tiefsten Kummer begegnete der kleine Prinz einem Fuchs 🦊. Er schlug ihm vor zu spielen, doch das Tier antwortete, das könne es nicht, denn es sei nicht gezähmt. Da das Kind dieses Wort nicht kannte, erklärte der Fuchs, zähmen bedeute „Bindungen schaffen". Er fügte hinzu, solange sie sich nicht gezähmt hätten, seien sie füreinander nur ein Junge und ein Fuchs wie hunderttausend andere; wenn sie sich aber zähmten, würden sie einzig auf der Welt.
Der Fuchs gestand, dass er ein eintöniges Leben führe: Er jagte die Hühner, und die Menschen jagten ihn. Doch er versicherte, wenn der kleine Prinz ihn zähmte, wäre sein Dasein wie von der Sonne erhellt 🌅. Er würde einen Schritt erkennen, der sich von allen anderen unterschied, und die Felder voll Weizen, bis dahin nutzlos, würden ihn fortan an die goldene Farbe der Haare des Kindes erinnern. Er bat den kleinen Prinzen also, ihn zu zähmen, und riet ihm, dabei viel Geduld zu haben.
So kam der kleine Prinz jeden Tag ein wenig näher und setzte sich, stets zur selben Stunde, denn der Fuchs hatte ihm gesagt, die Riten seien nötig: Sie machen einen Tag anders als die anderen Tage. Als die Stunde des Abschieds kam, gestand der Fuchs, dass er weinen werde. Der kleine Prinz wunderte sich: Wozu sich binden, um zu leiden? Der Fuchs antwortete, er habe dennoch gewonnen — wegen der Farbe des Weizens. Dann verriet er sein Geheimnis: Man sieht nur mit dem Herzen gut, und das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar. Er fügte hinzu, es sei die Zeit, die der Prinz für seine Rose aufgewendet habe, die sie so wichtig mache, und man bleibe für immer verantwortlich für das, was man gezähmt habe.
Reich an dieser Lehre setzte der kleine Prinz seinen Weg fort. Er traf einen Weichensteller, der die Reisenden zu Tausenden sortierte. Dieser erklärte ihm, die großen Leute liefen unaufhörlich von einem Ort zum anderen, ohne je zu wissen, was sie suchten; nur die Kinder, sagte er, wüssten noch zu staunen und ihre Nase gegen die Fensterscheiben zu drücken. Der Prinz schloss daraus, dass allein die Kinder das Wesentliche verstünden.
Danach traf er einen Händler, der Pillen gegen den Durst verkaufte, um dreiundfünfzig Minuten pro Woche zu sparen. Der kleine Prinz dachte, hätte er diese Minuten übrig, so ginge er einfach zu einem Brunnen. Am nächsten Tag, vom Durst geplagt, machten sich der Flieger und er auf die Suche nach einem Brunnen 💧; wider Erwarten fanden sie einen. Das Wasser, das sie schöpften, war nicht nur ein Getränk: Aus dem Marsch unter den Sternen ⭐ und dem Singen der Winde geboren, tat es dem Herzen gut, wie ein Geschenk. Der Flieger begriff da, dass das Kind schon daran dachte, zu seiner Rose 🌹 zurückzukehren.
🔤 Wortschatz
| Wort | Bedeutung |
|---|---|
| zähmen | geduldig eine Bindung zu einem scheuen Wesen schaffen |
| die Bindung | das, was zwei Wesen verbindet, eine Zuneigung |
| eintönig | gleichförmig, ohne Abwechslung |
| erhellt | mit Licht erfüllt; hier: mit Glück |
| der Ritus / die Riten | eine wiederholte Handlung, die der Zeit Sinn gibt |
| jagen | ein Tier verfolgen, um es zu fangen |
| der Weizen | das goldene Getreide der Felder |
| sich binden | eine gefühlsmäßige Verbindung eingehen |
| der Weichensteller | der Angestellte, der die Züge lenkt |
| sortieren | trennen, in Gruppen ordnen |
| staunen | voller Bewunderung sein |
| der Händler | der Verkäufer, der Kaufmann |
| der Durst | das Bedürfnis zu trinken |
| der Brunnen | ein gegrabenes Loch, um an Wasser zu kommen |
| schöpfen | Wasser aus dem Brunnen holen |
💬 Ausdrücke & Redewendungen
| Ausdruck | Bedeutung |
|---|---|
| Bindungen schaffen | eine tiefe Beziehung zu jemandem knüpfen |
| man sieht nur mit dem Herzen gut | das Wesentliche erkennt man durch Zuneigung |
| die Mühe wert sein | die Anstrengung oder das Leid rechtfertigen |
| für etwas verantwortlich sein | sich für immer um das kümmern, was man geliebt hat |
| wider Erwarten | überraschend, entgegen aller Voraussicht |
🧠 Grammatik — Die indirekte Rede
Die indirekte Rede gibt die Worte eines anderen wieder, ohne sie zu zitieren. Man leitet sie mit einem Verb (sagen, erklären, fragen) und dass oder ob ein. Im Alltag steht dabei oft der Indikativ, gehoben der Konjunktiv I.
| Direkte Rede | Indirekte Rede |
|---|---|
| „Ich kann nicht spielen." | Er sagte, dass er nicht spielen könne. |
| „Willst du mich zähmen?" | Er fragte, ob er ihn zähmen wolle. |
| „Die Riten sind nötig." | Er erklärte, die Riten seien nötig. |
| „Ich werde weinen." | Er gestand, er werde weinen. |
Beispiele aus der Zusammenfassung:
- Der Fuchs antwortete, das könne er nicht. (Aussage)
- Er versicherte, sein Leben wäre erhellt. (Bedingung)
- Er bat den Prinzen, ihn zu zähmen. (Bitte → Infinitiv)
💡 Tipp: Für Ja/Nein-Fragen nimmst du ob, nicht dass: „Willst du?" → Er fragte, ob ich wolle. Denk auch daran, die Person zu wechseln: „ich kann" wird zu „er könne / könnte".
📝 Glossar
- der Fuchs: der Freund, der dem Prinzen den Sinn des Zähmens und der Liebe lehrt
- zähmen: geduldig Bindungen schaffen, die ein Wesen unter allen einzig machen
- der Ritus: die regelmäßige Handlung, die der Zeit ihren Wert gibt
- das Wesentliche: das, was wirklich zählt und nur das Herz erkennen kann
- der Brunnen: die Wasserquelle, deren Süße ebenso vom Herzen wie vom Durst kommt
🔊 Audio
Tipp: Achte beim Hören auf die einleitenden Verben (sagte, fragte, erklärte) und beobachte, wie sich das wiedergegebene Verb verändert. Übe, eine Aussage des Fuchses von der direkten in die indirekte Rede zu bringen.
✍️ Übungen
1. Setze in die indirekte Rede (mit dass/ob)
- Der Fuchs sagt: „Ich bin nicht gezähmt." → Der Fuchs sagt, dass er .
- Er fragt: „Willst du spielen?" → Er fragt, ob .
- Er erklärt: „Die Riten sind nötig." → Er erklärt, dass .
2. Richtig oder falsch?
- Zähmen bedeutet „Bindungen schaffen".
- Der Fuchs empfindet beim Abschied nichts. er weint
- Laut dem Weichensteller können nur die Kinder noch staunen.
- Der kleine Prinz zieht die Pillen dem Gang zum Brunnen vor. er geht lieber zum Brunnen
3. Die Lehren des Fuchses — gib sie indirekt wieder
- „Man sieht nur mit dem Herzen gut." → Der Fuchs verriet, dass _______ .
- „Du bist für deine Rose verantwortlich." → Er fügte hinzu, dass der Prinz _______ .
4. Schreibübung
- Der Fuchs sagt: „Du bist für immer für das verantwortlich, was du gezähmt hast." Erkläre in 4–5 Sätzen, was es für dich bedeutet, für jemanden oder etwas „verantwortlich" zu sein. Gib mindestens eine Aussage in indirekter Rede wieder.