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Niveau des mots :

« Die großen Leute sind entschieden sehr sonderbar. »
— Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz


📖 Zusammenfassung

Der König, der Eitle, der Säufer

👑 Von Planet zu Planet: ein König ohne Untertanen, ein Eitler, ein Säufer.

Hier beginnt die große satirische Galerie des Romans: der Besuch der kleinen Nachbarplaneten, jeder von einem Erwachsenen bewohnt, den eine Marotte gefangen hält. Diese Porträts, von musterhafter Sparsamkeit der Mittel, bilden eine menschliche Komödie im Kleinen, in der Saint-Exupéry die Eitelkeiten der Erwachsenenwelt durchsiebt. Es ist kein Zufall, dass jeder Asteroid nur einen einzigen Bewohner beherbergt: Die Einsamkeit dieser Gestalten ist die Strafe ihrer Besessenheit.

Auf dem ersten Planeten herrscht ein König 👑. In Purpur und Hermelin gekleidet, glaubt er dem ganzen Universum 🌍 zu befehlen; doch sein Reich ist leer, und seine Macht besteht nur in seiner Einbildung. Und doch ist er es, der paradoxerweise die erste Weisheit der Reise ausspricht: Die wahre Autorität ruht auf der Vernunft. „Wenn ich einem General befähle, sich in einen Seevogel zu verwandeln, und der General gehorchte nicht, so wäre das nicht die Schuld des Generals, sondern meine.“ Der Monarch unterscheidet also den willkürlichen Befehl vom rechtmäßigen: Man darf nichts Unmögliches verlangen. Er willigt sogar ein, der Sonne nur dann zu befehlen unterzugehen 🌅, wenn sie von selbst untergeht, um das Gesicht zu wahren. Hinter der Komik der Szene scheint eine ernste Betrachtung über die Macht durch: Was den guten Herrscher vom Tyrannen unterscheidet, ist die Achtung vor der Natur der Dinge. Der König möchte das Kind halten, indem er es zum Minister ernennt; doch der kleine Prinz wählt die Freiheit und zieht weiter.

Auf dem zweiten Planeten thront ein Eitler. Dieser Mann hört nur Lobpreisungen: Er hält jeden Hut für einen Gruß, verlangt, bejubelt zu werden, und ruft sich zum „schönsten, reichsten und klügsten Mann“ seines Planeten aus — auf dem er doch allein ist. Der kleine Prinz applaudiert zunächst belustigt, dann wird ihm dieses fruchtlose Spiel überdrüssig. Was dieses Porträt beleuchtet, ist die Absurdität eines Bedürfnisses nach Anerkennung, das von aller Gegenseitigkeit abgeschnitten ist: Der Eitle kann den anderen nicht lieben, er braucht ihn nur als Spiegel.

Der dritte Planet ist der kürzeste und der düsterste. Ein Trinker sitzt dort, umgeben von leeren und vollen Flaschen, gefangen in einem Teufelskreis von unerbittlicher Logik. „Ich trinke“, sagt er, „um zu vergessen, dass ich mich schäme zu trinken.“ Dieser schwindelerregende Dialog von tragischer Knappheit erfasst die Mechanik jeder Sucht: die Selbstzerstörung, die sich aus ihrer eigenen Scham nährt. Der kleine Prinz entfernt sich, ratloser als je zuvor, doch der erwachsene Leser erkennt eine schmerzliche Wahrheit: Diese groteske Gestalt ist zugleich zutiefst bemitleidenswert.

Der vierte Planet gehört dem Geschäftsmann, der Verkörperung der rechnenden Habgier. Dieser Mann sagt, er sei zu beschäftigt, um die Augen zu heben: Er zählt und zählt die Sterne ⭐, überzeugt, sie zu besitzen, weil er als Erster auf den Gedanken kam. Wozu das dient? Reich zu sein. Und wozu dient der Reichtum? Um andere Sterne ⭐ zu kaufen. Die absurde Kreisform der Überlegung entlarvt die Hohlheit des Anhäufens. Der kleine Prinz stellt ihm seine eigene, leuchtende Logik entgegen: Er besitzt eine Blume 🌹 und drei Vulkane, und sein Besitz ist nützlich, denn er kümmert sich um ihn; es ist die Fürsorge, die den wahren Besitz begründet. „Aber du bist den Sternen nicht nützlich“, schließt er — ein Machtwort, das mit einem Wort eine ganze Weltanschauung verurteilt.

Diese vier Planeten bilden eine Prüfung der erwachsenen Hirngespinste: die Macht ohne Gegenstand, die Eitelkeit ohne Zeugen, der Rausch, der das Bewusstsein flieht, der Reichtum, der nichts bereichert. Jede ist eine Weise, das Wesentliche zu verfehlen, jede schließt ihren Mann in einen Kreis, in dem er sich einsam dreht. Und gerade im Gegenzug zeichnet sich die Weisheit des kleinen Prinzen ab: die Bindung der Herrschaft vorzuziehen, die Sorge dem Besitz, den Blick dem Schein.


🔤 Wortschatz

Wort / AusdruckRegisterBedeutung im Kontext
durchsieben (übertr.)gehobengenau prüfen, streng aussortieren
die Marottegehobenzwanghafte Angewohnheit, fixe Idee
die StrafegehobenVergeltung (oft moralisch, verdient)
willkürlichgehobenohne vernünftigen Grund, nach bloßer Laune
das Gesicht wahrengehobendie äußere Würde retten
die LobpreisunggehobenLob, Wort der Bewunderung
die GegenseitigkeitgehobenWechselseitigkeit, Austausch in beide Richtungen
unerbittlichgehobennicht zu erweichen, nicht aufzuhalten
groteskgehobenlächerlich bis ins Absurde, komisch und erbärmlich
die Hohlheitgehoben/literarischLeere, völliges Fehlen von Gehalt oder Sinn
die Fürsorgegehobenliebevolle Aufmerksamkeit, Sorge um andere
das Machtwort / die Sentenzgehobenknappes, endgültiges Urteil, scharfer Merksatz

💬 Ausdrücke & Redewendungen

AusdruckRegisterVerwendung
der Teufelskreisumgangssprachlich/gehobenKette, in der jede Ursache die Wirkung verschlimmert
im Gegenzug / im Gegenteilgehobenauf indirekte Weise, durch Kontrast
mit einem Wortgehobenknapp und entscheidend, auf den Punkt
das Wesentliche verfehlenumgangssprachlich/gehobenam Wichtigen vorbeigehen
etwas gefangen haltengehobenjemanden festhalten, beherrschen

🧠 Grammatik — Der Relativsatz

Der Relativsatz ist ein Nebensatz, der ein Nomen näher bestimmt. Er wird durch ein Relativpronomen (der, die, das, dessen, denen …) eingeleitet, dessen Form sich nach Genus und Numerus des Bezugswortes und nach dem Kasus im Nebensatz richtet. Der Relativsatz verdichtet den literarischen Stil, indem er mehrere Aussagen in einen Satz bindet.

Die Relativpronomen:

maskulinfemininneutrumPlural
Nominativderdiedasdie
Akkusativdendiedasdie
Dativdemderdemdenen
Genitivdessenderendessenderen

Beispiele aus dem Kapitel:
- ein Erwachsener, den eine Marotte gefangen hält (Akkusativ, maskulin)
- Und doch ist er es, der die erste Weisheit ausspricht. (Nominativ)
- ein Bedürfnis, das von aller Gegenseitigkeit abgeschnitten ist (Nominativ, neutrum)
- die Verkörperung der Habgier, deren Logik absurd ist (Genitiv, feminin)

Der Kasus richtet sich nach der Funktion im Nebensatz:

BezugswortFunktion im RelativsatzPronomen
der König (mask.)Subjekt → Nominativder König, der befiehlt
der König (mask.)Objekt → Akkusativder König, den man besucht
der König (mask.)Dativder König, dem man gehorcht

💡 Tipp: Verwechseln Sie nicht das (Relativpronomen/Artikel) mit dass (Konjunktion). Probe: Lässt sich das durch welches ersetzen, ist es ein Relativpronomen und wird mit einem s geschrieben.


📝 Glossar

1. die Marotte (Nomen)
Aus dem Französischen marotte (Narrenzepter). In der Umgangssprache: eine seltsame, hartnäckige Angewohnheit (jemandes Marotten kennen). Jeder Erwachsene ist Gefangener einer Marotte, die ihn ganz bestimmt. Verwandt, aber stärker: die fixe Idee.

2. willkürlich (Adjektiv)
Von die Willkür (freies, ungebundenes Belieben). Bezeichnet, was allein vom Gutdünken abhängt, ohne Regel oder Grund (eine willkürliche Entscheidung). Steht im Gegensatz zu rechtmäßig, vernünftig, begründet. Der König lehnt gerade den willkürlichen Befehl ab.

3. die Hohlheit (Nomen)
Von hohl (innen leer). Gehobener, abstrakter Ausdruck für Leere, Fehlen von Substanz oder Sinn (die Hohlheit einer Rede). Zu unterscheiden von der konkreten Höhle. Ein kostbares Wort für Kritik und Philosophie.

4. die Fürsorge (Nomen)
Von fürsorgen / für jemanden sorgen. Wohlwollende, aufmerksame Zuwendung zum Wohl eines anderen (jemanden mit Fürsorge umgeben). Es ist die Tugend, die der kleine Prinz dem Besitz entgegenstellt: wahrhaft besitzen heißt, sich kümmern.

5. grotesk (Adjektiv)
Aus dem Italienischen grottesca (Grottenmalerei). Bezeichnet, was durch seine Übertreibung lächerlich wirkt, oft mit einem Beiklang von Unbehagen oder Mitleid. Das Groteske mischt in der Literatur das Komische und das Erbärmliche — wie der Trinker, zugleich drollig und bejammernswert.


🔊 Audio

▶️ Kapitel 4 anhören — B2

Tipp: Hören Sie, wie der Relativsatz zwischen den Kommas die nähere Bestimmung trägt („der König, der …“, „die Blume, um die …“). Das Relativpronomen und der ans Satzende rückende Verbteil sind das Kennzeichen des deutschen Nebensatzes. Es zu erkennen, heißt, dem verschachtelten Satzbau mühelos zu folgen.


✍️ Übungen

1. Relativpronomen einsetzen

Ergänzen Sie das richtige Relativpronomen.

  1. Der König, dem ganzen Universum zu befehlen glaubt, ist allein.
  2. Der Eitle, der kleine Prinz zunächst applaudiert, langweilt ihn bald.
  3. Der Trinker, Logik unerbittlich ist, dreht sich im Kreis.
  4. Die Sterne, der Geschäftsmann zählt, gehören ihm nicht.

2. Zwei Sätze verbinden

Verbinden Sie die beiden Sätze zu einem Relativsatz. Beispiel: „Der Mann zählt die Sterne. Er ist habgierig.“ → „Der Mann, der die Sterne zählt, ist habgierig.“

  1. Der König trägt Purpur. Er herrscht über ein leeres Reich.
  2. Die Blume ist einzig. Der kleine Prinz kümmert sich um sie.

3. Literarische Analyse

Lesen Sie den Dialog mit dem Trinker erneut: „— Warum trinkst du? — Um zu vergessen. — Was vergessen? — Dass ich mich schäme. — Weshalb schämst du dich? — Weil ich trinke!“

  1. Wie spiegelt die Struktur des Dialogs den Mechanismus der Sucht?
  2. Warum ist diese Figur zugleich komisch und tragisch?

4. Mini-Aufsatz (150–200 Wörter)

  1. Thema: Jeder dieser vier Planeten versinnbildlicht eine Schwäche der Erwachsenenwelt. Wählen Sie die Figur, die Ihnen am gegenwärtigsten erscheint, und zeigen Sie, inwiefern sie unsere Zeit erhellt. Verwenden Sie mindestens zwei Relativsätze. Schreibtipp: Benennen Sie die Schwäche (Macht, Eitelkeit, Flucht, Habgier), verknüpfen Sie sie mit einem heutigen Phänomen (soziale Netzwerke, Konsum …) und schließen Sie mit dem, was der kleine Prinz ihr entgegensetzt.